

Der Tschad besitzt fast die vierfache Fläche von Deutschland und liegt im Herzen von Afrika. Die Weltöffentlichkeit hat von diesem so großen und so zentral gelegenen Staat trotz dessen noch nicht viel gehört. Vermutlich, weil es dort keinen medienwirksamen Krieg oder Bürgerkrieg gab, keine plötzlichen Schrecknisse – aber doch Bürgerkrieg genug, als dass das Land anderweitig Aufsehen hätte erregen können. Es ist ein klimatisch sehr trockenes Land und die Sahara dehnt sich ständig weiter in den Süden aus. Diese Wüstenbildung wird verschärft, da zunehmend die Baumbestände für Feuerholz abgeholzt werden. Trotzdem ist der Tschad ein sehr buntes Land.
In Tschad leben etwa 10 Millionen Menschen. Die Hälfte dieser Menschen ist 16 Jahre alt und jünger. Der Zugang zu Bildung und Zukunftschancen ist für die Mehrheit der Bevölkerung darum von herausragender Bedeutung. Die Bevölkerung setzt sich aus etwa 200 ethnischen Gruppen zusammen, mit mehr als 100 verschiedenen Sprachen: Während sie im Norden und in Zentraltschad mehrheitlich dem muslimischen Glauben (insgesamt ca. 51 Prozent) angehört, ist der Süden vor allem durch christliche (35 Prozent) und animistische (sieben Prozent) Religionszugehörigkeit geprägt. Neben Französisch und Arabisch als offiziellen Landessprachen wird im Süden des Tschad außerdem Sara gesprochen.
Seit der Unabhängigkeit von Frankreich 1960 kam es immer wieder zu Unruhen; Auseinandersetzungen gab es vor allem zwischen den muslimischen Nomaden im Norden, die in der vorkolonialen Zeit im Lande dominant gewesen waren, und den von den Europäern christianisierten Bewohnern des Südens, aus denen sich u.a. durch das in der Kolonialzeit eingeführte Bildungssystem eine Elite herausbildete, der auch der erste Präsident des Tschad entstammte.
Die Wirtschaft ist vor allem von der Landwirtschaft geprägt, mineralische Rohstoffe sind nicht vorhanden bzw. nicht erschlossen. 90% der Bevölkerung arbeitet in der Landwirtschaft. Laut dem Weltentwicklungsbericht 2006 schließt nur jedes vierte Kind die Grundschule ab. Das Land ist auch nach der Autonomie noch in neokolonialer Abhängigkeit geblieben, was die eigenständige wirtschaftliche Entwicklung behindert hat. Der Staat ist im Tschad sehr schwach ausgebildet, so gibt es so gut wie kein staatliches soziales Netz.
Der Großteil des Geldes, den der Staat durch die Entdeckung von Erdölfeldern im Süden einnimmt, wird für Waffen ausgegeben. Dieser Umstand hat zur Folge, dass es sehr viele Waffen im Lande gibt und es seit der Unabhängigkeit ständig zu Bürgerkriegen kommt, was leider vor kurzen wieder geschehen ist und worunter vor allem die Bevölkerung extrem zu leiden hat. Dürreperioden und Bürgerkrieg haben aus dem Tschad ein bitterarmes Land gemacht.
Unser Partnerdorf Koumaye liegt ganz im Süden des Landes, wo all jene angesprochenen Probleme in unterschiedlich starkem Ausmaß auch die Bewohner dieser Region berühren.
Im Tschad befindet sich das höchste Gebirge der ganzen Sahara: der Tibesti, eine zerklüftete Vulkanlandschaft. An den Sandsteinschichten haben Passatwinde Felstürme und -tore geformt. Doch zu viel steht einer touristischen Bekanntheit dieses großartigen Gebirges im Wege, nicht zuletzt die kartographisch nicht erfassten Minenfelder im Gebiet des Tibesti an der libyschen Grenze.