Langjährige Oberbürgermeisterin von Wismar über die innerdeutsche Solidarität
Dr. Rosemarie Wilcken, von 1990 bis 2010 Oberbürgermeisterin der mecklenburgischen Hansestadt Wismar, war am 9.November 2010 Gast beim West-Ost-Forum Münster, um am Beispiel ihrer Stadt über Probleme und Erfolge beim Aufbau Ost als einer sich selbst tragenden Wirtschaftsstruktur darzulegen. Mit der Krise des Schiffbaus und der Werften habe es Wismar dabei besonders schwer. Und noch mehr als andere Regionen leide die Stadt unter dem Wegzug der jüngeren und besser (aus)gebildeten Bevölkerungsschicht. Beispiele, wie westdeutsche Kommunen den Aufbauprozess mitgetragen und unterstützt haben, konnte Münsters ehemaliger Oberbürgermeister und Regierungspräsident a.D. Dr. Jörg Twenhöwen beisteuern. Zumindest hier in Münster sei die Neiddebatte um eine "Förderung nach Himmelsrichtung" nicht angekommen. In der Diskussion unter der Leitung von Prof. Dr. Klaus Anderbrügge beeindruckte Frau Dr. Wilcken vor allem durch die vielen konkreten Beispiele, mit denen sie die Mühsal beim Erreichen auch nur kleinster Fortschritte veranschaulichte. Bei aller Dankbarkeit für die in der Vergangenheit geleistete finanzielle Unterstützung aus dem Westen könne nicht verschwiegen werden, dass diese Art der innerdeutschen Solidarität wohl noch auf viele Jahre hin erforderlich sei.
Bernd Feldhaus feiert seinen 80. Geburtstag
Bernd Feldhaus, der Ehrenvorsitzende des WEST-OST-FORUMS MÜNSTER, Gründer und langjähriger Vorsitzender der "Agentur Deutsche Einheit – Münsterland" (ADE-M), konnte am 17.10.2010 mit vielen Freunden und Weggefährten seinen 80. Geburtstag begehen. Prominentester Gratulant war der ehemalige Bundesarbeitsminister und SPD-Vorsitzende Franz Müntefering. Grüße und Glückwünsche aus dem Osten Deutschlands überbrachte der Oberbürgermeister von Oranienburg, Hans-Joachim Laesicke. Laesicke bedankte sich im Namen vieler ostdeutscher Kommunalpolitiker, denen Bernd Feldhaus in seinen Brandenburger Jahren 1991 bis 1996 geholfen habe, sich in die demokratischen Strukturen kommunaler Willens- und Entscheidungsfindung einzuarbeiten. Er bedankte sich insbesondere für die liebenswürdige, respektvolle und einfühlsame Art, mit der Bernd Feldhaus dies getan habe. Für das West-Ost-Forum ergriff der Vorsitzende Michael Tillmann das Wort und würdigte das Verdienst des Jubilars, hier tief im Westen Menschen um sich versammelt zu haben, die hier das Anliegen eines stärkeren Zusammenwachsens der beiden deutschen Teilgesellschaften sich zu eigen machten. "Das ist in dieser Form bundesweit einmalig", konstatierte Michael Tillmann und drückte seine Freude aus, dass Bernd Feldhaus dem West-Ost-Forum als Ehrenvorsitzender weiterhin so stark verbunden bleibt.
DDR-Geschichtsbild kontrovers
Spannender Diskussionsabend mit Prof. Dr. Saskia Handro und MdB Dr. Dagmar Enkelmann
War die DDR ein Staat mit Demokratie-Defiziten? Oder ist das Wort "Diktatur" doch die passendere Bezeichnung? Eine der vielen kontroversen Fragen, die in der Veranstaltung des West-Ost-Forums am 21.9.2010 im Lesesaal der Stadtbibliothek diskutiert wurden. Rund 50 interessierte Teilnehmer verfolgten mit großer Spannung die Diskussion zwischen der parlamentarischen Geschäftsführerin der LINKEN Dr. Dagmar Enkelmann und der Münsteraner Geschichtsprofessorin Dr. Saskia Handro und beteiligten sich in großer Zahl an dem Gespräch. Immer wieder wurde deutlich, wie sehr die Interpretation der DDR und der DDR-Geschichte in die aktuelle Politik hineinragt, sei es bei der Regierungsbildung in Nordrhein-Westfalen, sei es bei der Wahl des neuen Bundespräsidenten. Bei allen Emotionen blieb die Debatte bemerkenswert sachlich und auf einem beachtlichen Niveau. "Ich habe mir nicht vorstellen können, dass meine Aufgabe als Diskussionsleiter so leicht werden würde", drückte Michael Tillmann seine Zufriedenheit mit dem Verlauf des Abends aus.
Beeindruckende Grenzerfahrungen
Studienfahrt des West-Ost-Forums führte ins Eichsfeld
"Wenn man von hier aus nach Norden schaute, guckte man in den Osten, nach Süden hin in den Westen." Diese verwirrende Auskunft erhielten die Teilnehmer der diesjährigen Studienfahrt des West-Ost-Forums Münster auf dem Hülfensberg im thüringischen Eichsfeld, nur wenige Meter von der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze entfernt. Kaum eine andere Region der ehemaligen DDR hatte eine so lange und in vielen Windungen verlaufende Grenze mit der alten Bundesrepublik. Und das gab dieser nunmehr neunten Studienfahrt ihren besonderen Charakter, sei es bei Erkundungen im Naturpark "Eichsfeld – Werratal – Hainich" unter Führung eines ehemaligen Grenzsoldaten der DDR, sei es im Grenzlandmuseum "Schifflersgrund" oder im Gespräch mit Einwohnern der nur zwei km voneinander entfernt liegenden Dörfer Siemerode (Thüringen) und Weißenborn (Niedersachsen). Beeindruckt waren die Teilnehmer von der landschaftlichen Schönheit des Eichsfeldes, besonders aber von den Begegnungen und Gesprächen mit den Menschen vor Ort. "Es hat sich wieder mal gezeigt, wie spannend und bereichernd es ist, wenn Menschen aus Ost und West sich gegenseitig ihre Biografien erzählen", resümiert Michael Tillmann, der Vorsitzende des West-Ost-Forums, die Fahrt. Die Studienfahrt für das nächste Jahr mit dem Ziel Magdeburg ist fest angepeilt.
Politische Initiative hatte Erfolg
Jahresmitgliederversammlung 2010 des West-Ost-Forums Münster
Auf ein ereignisreiches Jahr konnten die Mitglieder des West-Ost-Forums Münster bei ihrer diesjährigen Mitgliederversammlung zurückblicken. Gleich mit einer ganzen Reihe von Veranstaltungen hatte der Verein an die friedliche Revolution in der DDR vor 20 Jahren erinnert. Ganz besonders verwies der Vorsitzende Michael Tillmann dabei auf die Ausstellung "Von der friedlichen zur deutschen Einheit ... Münster erinnert sich" hervor, die im Herbst in der Bürgerhalle des Rathauses gezeigt wurde und inzwischen auch in verschiedenen Schulen zu sehen war. "Uns war es dabei besonders wichtig, den Mut und die Zivilcourage der Menschen in Ostdeutschland hervorzuheben, bürgerschaftliche Tugenden, die auch heute für unser Land eine wichtige Rolle spielen sollten", erläutert Tillmann. Auf einen bemerkenswerten politischen Erfolg konnte Michael Tillmann in seinem Tätigkeitsbericht noch verweisen: Eine Eingabe an den Bundestagspräsidenten Norbert Lammert, die Dokumente der frei gewählten DDR-Volkskammer von 1990 der Öffentlichkeit im Internet zugänglich zu machen, sei ein voller Erfolg gewesen; und bereits am 18. März, dem 20. Jahrestag der letzten Volkskammerwahlen, sei das riesige Materialangebot freigeschaltet worden.
Auch in diesem Jahr will das West Ost-Forum mit verschiedenen Veranstaltungen an die Herstellung der staatlichen Einheit Deutschlands vor 20 Jahren erinnern. Dass die Aufgabe, die innere und gesellschaftliche Einheit Deutschlands zu fördern, nicht erledigt sei, darüber herrschte auf der Versammlung Einigkeit.
Bei den anstehenden Vorstandswahlen wurden alle Mitglieder des alten Vorstandes in ihren Ämtern bestätigt. Als Gast hatte zu Beginn der Versammlung Klaus Meier, der Geschäftsführer des Vereins der Freunde Mühlhausens, vom Beginn und den aktuellen Entwicklungen der Städtepartnerschaft zwischen Münster und Mühlhausen berichtet.