Studienberatung

Im Zweiten Bildungsweg kommt der Eingangsberatung eine Weichen stellende Funktion zu.
Dreimal pro Woche ist die jeweils zwei Stunden angebotene Sprechstunde des Beraterteams
Anlaufstelle für junge Erwachsene, die einen Entscheid korrigieren wollen, den sie selbst vielleicht
aus pubertärer Schulunlust oder den ihre Eltern für sie getroffen haben.
Jetzt ist der Wunsch nach einem höheren als dem erworbenen Abschluss da, teils aus der
zweckfreien Absicht, die Allgemeinbildung zu erweitern, mehrheitlich natürlich, weil FHR
und Abitur Studien- und neue Berufsperspektiven eröffnen, zunehmend aus dem Motiv, dass
die angestrebte allgemeine Weiterbildung zum Erhalt der beruflichen Stellung oder gar als
Weg aus der Arbeitslosigkeit und unqualifizierten Jobs heraus zwingend notwendig geworden
ist. Etwa fünfundsiebzig Prozent der Bewerber um einen Studienplatz schicken nicht bloß ihre
Unterlagen zu oder geben sie im Sekretariat ab, sondern suchen die Morgen- oder die Abendsprechstunden auf, um sich zu informieren, nicht selten durch Mundpropaganda auf das
Abendgymnasium aufmerksam gemacht.
Aufgabe der Studienberatung ist es zunächst einmal zuzuhören, Erwartungen zu klären, die
Vorstellung zu dämpfen, man könne nebenbei und auf die Schnelle das Abitur erlangen, und
schließlich Mut zu machen, dass der Abschluss neben beruflicher wie familiärer Belastung zu
schaffen ist und nicht erfordert, ein verkanntes Genie zu sein.
Die Studienberatung vermittelt Informationen zum individuellen Bildungsgang, worin uns die
Broschüre „Leitfaden“ unterstützt, zur Unterrichtsorganisation und zu den Prüfungsmodalitäten.
Wird ein höherer Einstieg gewünscht, als es die Regeleinstufung vorsieht, führt das Beraterteam
Einstufungstests in den Kernfächern durch. Darüber hinaus versucht die Studienberatung
durch einen eigens an der Schule entwickelten Deutsch-Test für Nicht-Muttersprachler
die vorhandenen Basiskenntnisse festzustellen, um angemessen einstufen zu können.
Aus der Prüfung der Unterlagen aller Bewerber ergibt sich z.T. die Notwendigkeit zur Einladung
zum Beratungsgespräch, und daraus resultieren wiederum die Briefwechsel mit der Bezirksregierung, weil z.B. die beruflichen Eingangsvoraussetzungen noch nicht so erfüllt werden
können, wie sich das die APO bei einem geordneten Lebenslauf vorstellt, wegen der Befreiung
von der Zweiten Fremdsprache durch Vorleistungen in der Muttersprache oder wegen
der Anmeldung zur Sprachenfeststellungsprüfung beim Schulamt.
Innerschulische Beratung umschließt natürlich auch deren zweite Funktion, welche in Tagesgymnasien in der Regel als die erste wahrgenommen wird: die Laufbahnberatung. Obwohl
Klassen- und Semesterleiter sowie der Kurskoordinator Studierende am Abendgymnasium in
allen Fragen der Kurswahl betreuen, wird auch der Rat der Studienberatung gesucht. Vor allem
vor Beginn des vierten Semesters konzentrieren sich dann die Erkundigungen der Studierenden
in der Hauptphase nach den BAFöG-Bestimmungen: „Ich werde jetzt 30 Jahre, kann
ich gefördert werden, und wie ist das später an der Universität? Wieviel darf ich dazu verdienen?“
– Das sind die wahrscheinlich nicht nur an unserem Abendgymnasium am häufigsten
gestellten Fragen. Rückt die Abiturprüfung bzw. der FHR-Abschluss heran, verteilen wir die
ZVS-Infos und geben auch manchmal Hilfe beim Ausfüllen der Formulare. Wo Wirtschaftsinformatik grundständig studiert werden kann, lässt sich mit Hilfe der Broschüre v„Studien- und Berufswahl“ sowie der einschlägigen Zeitschriften (z.B. „Abi/Uni“) recherchieren. Hilfreich für Auskünfte zu speziellen Studienwünschen und Bedarfsprognosen auch auf dem lokalen
Arbeitsmarkt ist die etwa alle sechs Wochen stattfindende Beratung seitens des Arbeitsamtes,
welche im Raum der Studienberatung stattfindet und noch mehr Aufmerksamkeit
seitens der Studierenden verdiente.
Anlaufstelle ist die offene Tür der Studienberatung außerhalb der Sprechstunden vor dem
Unterricht oder während der Pause; wichtig ist, die Schwelle so niedrig wie möglich zu halten.
Manchmal geschieht es, dass, verdeckt durch die Informationsfrage eines Studierenden, eine
persönliche Problemlage psychischer und sozialer Art aufscheint, worauf kaum angemessen
zu reagieren ist, geschweige denn, dass Abhilfe geboten werden könnte. Um solchen Schwierigkeiten,
die gewiss mehr Studierende betreffen, als wir erkennen, besser begegnen zu können,
ist geplant, dass zwei weitere Kollegen an einer spezifischen Fortbildung auf psychosozialem
Gebiet teilnehmen.
• Beratung für Studierende in schwierigen Lebenssituationen
Ab dem Sommersemester 2001 werden eine Kollegin und ein Kollege ein Beratungsangebot
für Studierende in schwierigen Lebenssituationen und damit Lernsituationen machen, um als
erste 'Anlaufstelle’ eine Gesprächsgelegenheit zu schaffen, die es ermöglicht gemeinsam nach
Veränderungsmöglichkeiten und professionellen Beratungsangeboten zu suchen.
Dabei geht es nicht darum in irgendeiner Weise Gesprächstherapie o.ä. anzubieten, sondern
vor allem zunächst Kontakt herzustellen und Schwellenängste zu nehmen, bereitstehende professionelle Beratung aufzusuchen.
Eine entsprechende Fortbildung – durchgeführt durch die Schulpsychologische Beratungsstelle
der Stadt Münster – wird zurzeit konzipiert, die die Beratungskompetenz stärkt und erweitert
und die Aspekte
• Prozessorientierung in der Beratung
• Rollen, Identität und Ziele der Beratung in der Schule
• Gesprächsführung und Verhalten in den Beratungssituationen
umfassen wird.
Darüber hinaus geht es darum, einen Überblick über die weiterführenden professionellen Beratungsstellen in Münster und Umgebung zu gewinnen.