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Ernst Ludwig Kirchner
Potsdamer Platz
1914
Bildbeschreibung
E. L .Kirchner
Biographie
1914 - der Weg
in den ersten Weltkrieg
Potsdamer Platz:
Von der Drehscheibe
der kaiserlichen
Reichshauptstadt
zur 'Neuen Mitte'
Literarisches Zeitdokument:
Georg Heym:
"Der Gott der Stadt"
Literaturangaben
Wir


Max Beckmann - 1914
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1914 – der Weg in den 1. Weltkrieg
„In Europa gehen die Lichter aus, wir werden sie
in unserem
Leben nicht mehr leuchten sehen." Mit diesen Worten
kommentierte der englische Außenminister Sir Edward Grey
1914 den Ausbruch des 1. Weltkrieges. George F. Kennan
nannte ihn die „große Urkatastrophe" des 20. Jahrhunderts.
Der Glaube an den Fortschritt der modernen Welt wurde
zutiefst erschüttert: 8 Millionen Tote, viele Verwundete,
Hunger, Verarmung und Zerstörung der sozialen Ordnung
- eine historische Zäsur, das Ende des bürgerlichen Zeitalters.
Der moderne Imperialismus erreichte im 1. Weltkrieg seinen
Höhepunkt. In einer Reihe von Krisen (v.a. in Afrika und auf
dem Balkan) hatte er sich lange vor 1914 angebahnt.
Insbesondere das Deutsche Reich, erst 1871 gegründet, sorgte
durch den ‚Neuen Kurs’ Kaiser Wilhelms II mit
Hochindustrialisierung, Rüstungs- und Flottenpolitik für eine
Atmosphäre der aggressiven Spannung und Bedrohung.
Wilhelm II forderte nach außen forsch einen „Platz an der
Sonne" und versprach nach innen vollmundig „herrliche
Zeiten".

Friedrich Fricke:
Wilhelm II vor 1908
1913 feierte Berlin das 25 jährige Regierungsjubiläum, der
Kaiser stand auf dem Gipfel seiner Popularität.

Noch verdeckte ein relativer wirtschaftlicher Wohlstand die
Spannungen in der wilhelminischen Gesellschaft. Tonangebend
waren Militärs und Bürokraten; das erfolgreiche Großbürgertum
strebte nach Besitz und Adelstiteln, die Arbeiterschicht
unter
Führung der Sozialdemokraten gab sich wenig revolutionär.
Und
dennoch zeigten sich Risse, die von Schriftstellern und
Künstlern
aufgezeigt wurden. Berlin wurde zum attraktiven Zentrum der
Avantgarde, von Kaiser Wilhelm II misstrauisch beobachtet.
Um 1910 bildete eine Gruppe von Expressionisten die neue
Sezession, der ein Teil der Brücke-Maler angehörte. Sie
lehnten die offiziell geförderte Kunst ab, die das Volk mit
edlen Motiven erbauen und mit nationalen Idealen moralisch
festigen wollte. Gegen die Stagnation und Lähmung der
wilhelminischen Kultur entwickelte sich eine Sehnsucht nach
Ausbruch aus der Enge, nach der befreienden Tat, dem
‚reinigenden Gewitter’.
Georg Heym schreibt in sein Tagebuch: "Es ist immer
das
Gleiche, so langweilig, langweilig, langweilig. Es geschieht
nichts, nichts, nichts. Wenn doch einmal etwas geschehen
wollte, was nicht diesen faden Geschmack von Alltäglich-
keit hinterlässt... sei es auch nur, dass man einen Krieg
begänne, er kann ungerecht sein. Dieser Friede ist so faul,
ölig, schmierig wie eine Leimpolitur auf alten Möbeln."
(zitiert nach: Roland März, in: Der Potsdamer Platz, Katalog
Preußen 2001 S. 18).
Am 28 Juni 1914 lösen die Schüsse von Sarajewo
den
1.Weltkrieg aus.

Der Maler Ernst Ludwig Kirchner kehrt von der Insel Fehmarn
nach Berlin zurück.
Hier vollendet er im Herbst sein Gemälde Potsdamer Platz,
- Menschen auf der Drehscheibe – 1914.
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