Justinian und Theodora  -
ein oströmisches
 Kaiserpaar

Die Mosaiken von Ravenna

  Historischer Kontext

     Zwei Biographien

    Die Mosaiken:

 

 

Literatur


Wir

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ravenna:

Die italienische Stadt Ravenna liegt in Norditalien in der östlichen Provinz 
Emilia  Romagna an der Adriaküste. Die Provinzhauptstadt zählt ca. 
137 000 Einwohner.
Ravenna ist heute ein Zentrum für die Vermarktung und Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte und durch einen Kanal zum Po mit dem Meer verbunden. Weitere Industriezweige sind Zementwerke, chemische Industrie 
sowie Methan und Erdöl aufarbeitende Firmen.
Beliebte Freizeitziele sind der Hafen und das Seebad Marina di Ravenna.

Berühmt sind v.a. die bedeutenden Kunstwerke der frühchristlichen Zeit wie
- das Mausoleum der Galla Placida
- das achteckige, aus einem umgebauten römischen Bad entstandene
   Baptisterium der Orthodoxen
- das achteckige Baptisterium der Arianer
- die Kirche San Vitale
- die Grabstätte des ostgotischen Herrschers Theoderich des Großen

Wichtige geschichtliche Daten:

500 v. Chr.:            Gründung des Dorfes Ravenna
63 v.-14 n. Chr.      Kaiser Augustus. 
                               Bau eines Kanals zum Meer. Ravenna wird
                               Hauptstützpunkt für die römische Flotte 
                               im norditalienischen Meer.
402                         Ravenna wird zur kaiserlichen Hauptresidenz 
                               unter  Kaiser Flavius Honorius, der vor den 
                               Westgoten aus Mailand flieht.
476                         Ravenna wird von dem Germanenkönig Odoaker
                               besetzt.
493                         Theoderich der Große erobert Ravenna zurück
                               und macht es zu  seiner Hauptstadt. Im Zuge der
                               Rückeroberung des Imperium Romanum
                               unter Kaiser Justinian wird Ravenna durch
                               den Feldherrn Belisar eingenommen.
540                         Ravenna wird Sitz des byzantinischen Vizekaisers
                               in Italien.
751                         Ravenna wird von den Langobarden erobert.
757                         Pippin übereignet Ravenna dem Papst
                               (Pippinsche Schenkung)
1500                       Ravenna kommt unter venezianische Kontrolle.
1509                       Ravenna gehört wieder zum päpstlichen 
                               Hoheitsgebiet.
1861                       Ravenna wird dem Königreich Italien 
                               angegliedert.

 
  San Vitale 2. Viertel des 6. Jh
                                                                       San Vitale, Grundriss

       
                    
    Mosaiken:
                                                                                       1: Justinian, 2: Theodora

                                                                                        
Die Kirche San Vitale wurde zu Ehren des heiligen Vitalis, eines Märtyrers
aus der Zeit Neros, gebaut und 547 durch Bischof  Maximian eingeweiht.
Bereits im 5. Jh. war über dem Grab des Heiligen eine Kirche errichtet 
worden. San Vitale ist eine typisch byzantinische Kirche., die nicht im 
basilikalen Langhausstil wie die Kirchen im Westen gebaut wurde.
Das Besondere ist der achteckige Grundriss. Das zweite Geschoss ist 
ebenso ein Oktogonalkörper aus Ziegelsteinen, der wiederum einen 
kleineren achteckigen Baukörper trägt, auf dem zeltartig das Dach aufliegt.
Die Kuppel wird von acht Pfeilern getragen, die untereinander durch Bögen verbunden sind. Der bedeutendste Teil der Kirche ist der Ort der 
Eucharistiefeier, das Presbyterium. Es ist reich geschmückt mit Mosaiken, 
Szenen aus dem Alten und Neuen Testament, die im Gewölbe Christus als Opferlamm zum Zentrum haben. In der Apsis der Kirche zu beiden Seiten 
des Altars befinden sich die Kaisermosaiken: die Prozessionsdarstellungen 
von Kaiser Justinian und Kaiserin Theodora.

 San Vitale: Apsis
 Die Mosaiken befinden sich  in den markierten Feldern:
 links an der Nordseite:  Justinian und sein Gefolge,
 rechts an der Südseite:  Theodora und ihr Gefolge.
 Thematisch korrespondieren  die Apsismosaiken:
 Der Hofhaltung Christi im Himmel - auf der Weltkugel thronend  - 
 entspricht die Hofhaltung des  Kaisers  und seiner Gemahlin 
 auf Erden.
Die Kaiserbilder in Ravenna hatten eine politische Funktion: 
Sie bezeugten die Präsenz des oströmischen Herrschers als dem 
weltlichem und geistlichem Oberhaupt des Imperium Romanum 
in einer Stadt, die erst kurz zuvor für das Reich zurückerobert 
worden war. Die Meister der Werke sind unbekannt. 
Die Mosaiken stehen in der byzantinischen Tradition: Glanz und 
Reichtum werden bewusst in politischer Absicht zur Schau gestellt: Sie
 dienen - ähnlich wie  Zeremonien und höfische Etikette der Distanzierung 
und der Verherrlichung der kaiserlichen Größe. Eine besondere 
Bedeutung hat das Gold als Abbild des Ewigen, der Herrlichkeit 
Gottes. Auch die Purpurfarbe ist eine Rarität. Der echte Purpur, 
aus Schnecken gewonnen, ist wegen seiner Kostbarkeit der
kaiserlichen Familie vorbehalten.




Ausschnitt aus dem Gewand der ersten Hofdame. Im Übergewand: geometrische Muster, auf dem Untergewand:
Blumenmotive






 

 

Zur Technik der Mosaikherstellung:
Mosaike entstehen durch das Einsetzen von kleinen Teilen (Tesserae)
aus Glas, Stein, Terrakotta oder anderen Materialien in ein feuchtes Mörtelbett. Da sich die verwendeten Materialien wenig abnutzen, sind zahlreiche antike Mosaiken in ihrer Leuchtkraft erhalten geblieben. Die Tesserae wurden hergestellt, indem man dünne Platten aus Marmor oder farbigem Stein zuerst in schmale Streifen teilte, diese dann in Würfel schnitt oder brach. In Ravenna bestehen sie zum größten Teil aus  farbigem Glas: Aus einem farbigen Glasfluss wird ein flacher Brei hergestellt, der abkühlt, hart wird und dann mit einem scharfen Werkzeug zerteilt wird. Gold - und Silberwürfel entstanden durch Auflegen von Blattgold und Blattsilber auf hellfarbige Glasplatten. Die Oberfläche wurde danach mit Glasfritte (einer dünnen Schicht feingemahlenen Glases) bedeckt und in einem Ofen erhitzt, um die Metallauflage zwischen den beiden Glasschichten einzuschließen. Anschließend wurden sie wie andere Glasplatten weiterbehandelt.
Für die Kronen von Justinian und Theodora wurde Perlmutt verwendet. Insgesamt sollen in die beiden Kaiserbilder in San Vitale 322 560 Teilchen eingesetzt worden sein. Die Mosaiken waren bevorzugter Wandschmuck in byzantinischen Kirchen, wie hier in Ravenna. Die viereckigen Mosaiksteinchen  (Tesserae) sorgten für ein Licht, das die überirdische Farbe des Himmels zum Ausdruck brachte und der mystischen Aura des orthodoxen Ritus entgegenkam. Gleichzeitig entsprach die edelsteinartig glänzende Oberfläche dem Prunkbedürfnis des Kaisers.


Mauer mit eingesetzten Mosaiksteinen
1 Mauer  2 grober Mörtel mit Nägeln  3 feiner Mörtel  4 noch feinerer Mörtel mit Mosaiksteinen: 4a Tesserae aus Glasfluss oder Naturstein,
4b Goldtesserae (aus: Stützer,H.A. Ravenna, S. 103)