Justinian und Theodora  -
ein oströmisches
 Kaiserpaar

Die Mosaiken von Ravenna

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Theodora,  Marmorskulptur, um 530, Castello Sforzesco, Mailand 

 

 

Theodora

*um 497 (?)  28. 06. 548 
byzantinische Kaiserin: 527 - 548

  Biographie:

Theodora wurde um 497  in Konstantinopel geboren. Der Vater  Akakios war Bärenhalter und Tierwärter im Hippodrom von Konstantinopel, die Mutter  Schauspielerin und Tänzerin

 Hetzjagd auf Bären im Hippodrom von Konstantinopel
Relief eines Elfenbeindiptychons, 517, ehem. Altes Museum, Berlin


Nach dem frühen Tod des Vaters tritt Theodora ebenfalls als Zirkusakrobatin  auf, steht auf Varietébühnen, hat großen Erfolg mit Stripteasedarbietungen und  wächst so in das mit dem Theatermilieu des Hippodroms verbundene Hetärentum hinein, ein Mädchen aus dem Bordell. Der Geschichtsschreiber Prokop, ein unerbittlicher,  stark gegen Theodora  voreingenommener Kritiker berichtet in seiner berühmt-berüchtigten Geheimgeschichte, den Anekdota,  sie sei die gefragteste Kurtisane von Konstantinopel gewesen. 
Dem Liebhaber Hekebolos folgte sie nach Libyen in Afrika, wurde  nach einem heftigen Streit aber bald wieder weggeschickt und gelangte über Alexandrien  zurück nach Konstantinopel. Ihren Lebensunterhalt soll sie weiterhin mit Prostitution verdient haben, bis sie 520 Justinian begegnete, der sich in die schöne, intelligente und vielseitig talentierte junge Frau verliebte. Um sie heiraten zu können, musste ein gesetzliches Eheverbot von Standespersonen mit Schauspielerinnen eigens durch Kaiser Justin aufgehoben werden (Cod. Iust. 5,4,23).
525 heirateten Justinian und Theodora in der Hagia Sophia.
527, nur zwei Jahre später, kurz vor dem Tode Justins, wurde Justinian zum Mitregenten, Theodora zur Mitkaiserin gekrönt. Sie besaßen damit die alleinige und unumschränkte Herrschaft über das Byzantinische Reich.
Theodora war  nicht nur die Kaisergemahlin, die bei repräsentativen Anlässen an der Seite des Kaisers auftrat, Justinian bestand vielmehr darauf, dass sie an seiner Seite regierte, wichtige Entscheidungen mit ihm zusammen traf und für die Ausführung kaiserlicher Beschlüsse sorgte. Sie war Mitregentin: "consors imperii", führte Verhandlungen mit auswärtigen Gesandten, unterzeichnete Verträge und war maßgeblich bei der Vergabe von zivilen, kirchlichen und militärischen Ämtern beteiligt. Bezeichnend ist der Eid, den alle höheren Beamten leisten mussten. Sie schworen beim dreieinigen Gott, der Jungfrau Maria, den Evangelisten  und Erzengeln, "dass sie den allerfrömmsten und heiligsten Herrschern Justinian und Theodora, der Gattin seiner Kaiserlichen Majestät, treu dienen wollten" (zitiert nach Bridge, S. 107)
Theodoras Willensstärke, Unerschrockenheit und  Mut zeigen sich
 532 im  Nika-Aufstand: Die Hauptstadt steht in Flammen, der Palast ist belagert, Justinian ist aus Verzweiflung bereit zur Flucht übers Meer ins Exil. Da greift Theodora ein und rät entschlossen zum Bleiben. Überliefert sind ihre Worte, dass man sich vom Kaisertum nicht einfach verabschieden könne und dass jedem, der einmal den Purpur trug, ein Flüchtlingsdasein unerträglich erschienen müsse..."Mir jedenfalls gefällt ein altes Wort, dass das Kaisergewand ein schönes Totenkleid ist" (Prokop, Perserkriege I, XXIV  S.183). Die Flucht wird abgebrochen, die Krise militärisch bewältigt, Theodora hat Justinian den Thron gerettet.
Zu den theologischen Fragen der Zeit nahm Theodora engagiert Stellung. Im Gegensatz zu Justinian förderte sie aktiv (z.B. durch die Besetzung von Bischofsstühlen) die von den Orthodoxen als Häretiker bezeichneten Monophysiten (Glaubensrichtung, die Christus nur eine, die göttliche Natur zusprach und v.a. in Syrien und Ägypten verbreitet war). In der Wahl der Mittel war Theodora  bisweilen durchaus skrupellos. Missliebige Personen (so den Papst Silverius) ließ sie verbannen und umbringen. 
542, als die Pest Konstantinopel heimsuchte und auch Justinian erkrankte, lag die oberste Staatsgewalt allein in Theodoras Händen - bis zur Genesung des Kaisers.
28. Juni 548: Theodora stirbt an einem Krebsleiden. Sie wird in der Apostelkirche in Konstantinopel beigesetzt.
In der Kirche San Vitale in Ravenna ist sie eindrucksvoll mit ihrem Gefolge auf einem Wandmosaik dargestellt - ihr gegenüber das Mosaik des Kaisers Justinian mit seinem Gefolge.