Justinian und Theodora  -
ein oströmisches
 Kaiserpaar

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Theodora und ihr Gefolge - Mittelteil



Erste Hofdame der Kaiserin Theodora (Antonina?)

Kaiserin Theodora ( 497? - 548) und ihr Gefolge (um 547)



Beschreibung des Mosaiks:
An der rechten Seite (Südwand) der Apsis von San Vitale in Ravenna befindet sich - dem Mosaik des Kaisers Justinian und seinem Gefolge gegenüber - das Mosaik der Kaiserin Theodora mit ihrem Gefolge. Die Personen stehen in dichter Reihe zu beiden Seiten der Kaiserin, ihre Gesichter  richten sich auf den Betrachter. Die Prozession bewegt sich auf die Mitte der Apsis zu, angeführt durch Theodora, die mit den  Insignien der Macht geschmückt ist: dem prächtigen Diadem  mit langen Perlenschnüren und dem purpurfarbenen perlenbesetzten Schultermantel. Mit den Händen bringt sie einen Kelch dar. Ihr Gesicht  ist individuell gestaltet, mit großen, fragenden, ernsten Augen und schmalen Zügen. Interpreten deuten ihren Ausdruck als bereits von der tödlichen Krankheit gezeichnet - sie stirbt wenige Monate nach der Einweihung der Kirche - oder als Zeichen der Entkräftung nach der langen Alleinherrschaft, als  Konstantinopel von der  Pest heimgesucht wurde und auch Justinian erkrankte.  Der goldene Nimbus (Heiligenschein), der ihr Haupt umgibt, macht deutlich, dass sie - wie der Kaiser - zugleich religiöses Oberhaupt ist. Am unteren Mantelsaum fallen die heiligen drei Könige auf: Sie bringen - in der gleichen Haltung wie die Kaiserin - ihre Gaben dar. So steht sie in der Folge der großen Heiligen, dennoch wird ihr herausragender Status betont, denn im Gegensatz zur Kaiserin sind die Sterndeuter weder in Purpur gekleidet, noch haben sie einen Nimbus.




  Die drei Könige bringen ihre Gaben:    
   Mantelsaum der Theodora




Die Bildkomposition des Mosaiks  ist dreiteilig. Die fünf Hofdamen auf der rechten Bildseite stehen als Gruppe vor goldenem Hintergrund unter einem farbigen Sonnensegel. Ihre Gesichter sind gleichförmig und haben kaum einen individuellen Ausdruck. Am linken Bildrand öffnet ein Hofbeamter einen Vorhang zur Seite. Dahinter liegt ein dunkler Raum. Vor dem Durchgang steht auf einer kleinen Stele ein Springbrunnen, vermutlich ein Weihwasserbecken. Im zentralen  Mittelteil des Bildes wölbt sich zwischen zwei Säulen ein grüner Baldachin. Unter ihm stehen vor goldenem Hintergrund Theodora, die erste Hofdame und ein Hofbeamter, dessen weiße Chlamys, ( Schultermantel), mit dem purpurfarbenen Stoffteil (Tablion)  auf seine hohe Stellung in der Verwaltung hinweisen. Wegen seiner Nähe zur Kaiserin wird vermutet, dass es sich um den engen Vertrauten Theodoras, den Feldherrn  Narses, handelt.  In Armenien  als Sklave geboren, machte er dank seiner außerordentlichen militärischen und politischen Fähigkeiten am Hof von Konstantinopel Karriere. Die Hände hält er unter dem Mantel, so schrieb es die Etikette vor, "denn den göttlichen Herrschern dürfen sich keine 'unreinen Hände' nähern"  (Hagen, S. 12). Wie viele hohe Beamte war Narses Eunuch. Als solcher galt er als  ungefährlich, da Eunuchen - ebenso wie Priester -  in Byzanz nicht Kaiser werden konnten und damit keine unmittelbaren Rivalen waren.
Von den Hofdamen ist besonders die erste Gestalt hervorgehoben: Ihre Gesichtszüge sind individuell, der Ausdruck ist lebhaft. Unter dem Schultertuch trägt sie ein kostbares Gewand in der Farbe des Mantels der Kaiserin, zweifellos eine besondere Auszeichnung. Es wird vermutet (Hagen), dass es sich um Antonina, die Ehefrau des berühmten Generals Belisar handelt. Sie ist Großmeisterin des Palastes und langjährige Freundin Theodoras. Wie diese war Antonina früher  Schauspielerin. Im Gegensatz zu Theodora führt sie aber weiterhin ein Leben voller Skandale, indem sie Belisar, der sie abgöttisch liebt, unentwegt und durchaus öffentlich betrügt. Dennoch hält Theodora stets zu ihr, wohl nicht nur aus Freundschaft, sondern um durch Antonina  Belisar kontrollieren zu können, denn in dem erfolgreichen und beliebten Feldherrn witterte sie ständig einen möglichen Rivalen für Justinian.
Unberührt von Hofintrigen und den Spannungen des politischen Geschäfts wird in dem Mosaik das ideale Bild einer ersten Hofdame entworfen, wie es in der byzantinischen Kunst des 6. Jh. typisch ist: In der streng frontalen Stellung, der feierlich ruhigen Haltung, den fein gezeichneten ebenmäßigen Gesichtszügen und Händen drückt sich trotz aller Nähe zur Kaiserin die Distanziertheit des Zeremoniells aus.