Justinian und Theodora  -
ein oströmisches
 Kaiserpaar

  Die Mosaiken von Ravenna


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Bischof Maximianus


Kaiser Justinian
(527- 565) und sein Gefolge, um 547


Beschreibung des Mosaiks:
In der Kirche San Vitale in Ravenna sind zur rechten und linken Seite der Apsisfenster zwei große Mosaikbilder angebracht. Beide Darstellungen sind Repräsentationsbilder. Sie zeigen das Kaiserpaar Justinian und Theodora mit ihrem jeweiligen Gefolge in feierlicher Prozession bei der zeremoniellen Handlung der Darbietung liturgischer Geräte.
Das Justinianmosaik befindet sich auf der Nordwand (linke Seite). Der Kaiser steht in der Bildmitte. Er trägt das kaiserliche Ornat bestehend aus einer weißen Tunika mit Goldbesatz, dem purpurfarbenen Schultermantel mit goldenem Einsatz. Der Mantel wird auf der rechten Schulter von einer perlenbesetzten Fibel gehalten; der Kaiser trägt purpurfarbene Strümpfe und edelsteinbesetzte Schuhe. Das mit Diadem und Ohrgehänge geschmückte Haupt ist von einem Heiligenschein (Nimbus) umgeben, Widerschein des göttlichen Lichts und Zeichen, dass der Kaiser nicht nur absoluter Herrscher des Reiches ist, sondern auch die Führungsrolle in der Kirche hat. In den Händen hält er eine Patene (Schale zur Darreichung der Hostien).  Die Frontalansicht, in der sich Justinian mit seinem Gefolge präsentiert, gibt der Prozession einen feierlichen, erhabenen, fast statischen Charakter. Sein Gesicht hat  allerdings durchaus persönliche Züge.
Zur Rechten des Kaisers stehen zwei Hofbeamte, ein dritter zwischen Kaiser und Bischof. Auch sie tragen lange, weiße Tuniken mit Schulterbesatz (Rangabzeichen), weiße Umhänge mit purpurfarbenem Einsatz, auf der rechten Schulter mit einer goldenen Fibel gehalten. Sie tragen weiße Strümpfe und schwarze Campagi.
Links im Bild sieht man vier Personen der eigentlich sechsköpfigen Leibwache des Kaisers. Sie sind mit Speeren bewaffnet. Auf den Schilden erkennt man das Christogramm.
Der Bischof führt die Gruppe der Geistlichen an, über seinem Haupt die Inschrift: "Maximianus". Es handelt sich um den Bischof, der die Kirche 547 einweihte und die Mosaiken anfertigen ließ. Sein Gesicht ist ebenfalls ein Portrait: mit kahler Stirn, bärtig, ernst, und im Vergleich zum Kaiser asketisch. Er trägt das bischöfliche Pallium (lange, mit Kreuz verzierte  Stola) über Brust, Schultern und Rücken und das gemmenbesetzte Goldkreuz. Neben ihm zwei Diakone in liturgischem Gewand. Ein Diakon hält das edelsteinbesetzte Evangelienbuch, der andere schwenkt mit der rechten Hand ein Weihrauchgerät, mit der linken weist er über den Bildrahmen hinaus.
Bei der Betrachtung des Mosaiks  fällt auf, dass die Gestalt des Kaisers zwar hervorgehoben ist: Er steht in der Bildmitte, ohne dass er durch andere Personen überschnitten wird, dargestellt mit allen Zeichen seiner Herrschaft über Staat und Kirche. Auf der anderen Seite wird auch der Bischof hervorgehoben. Seine Gestalt scheint optisch größer. Seine Füße reichen bis zum unteren Bildrand. Man könnte sagen, der Bischof schreite der ganzen Gruppe voran. Somit weist das Bild bereits auf das historisch bedeutsame Spannungsfeld von   kaiserlich-weltlicher und  bischöflich-geistlicher Gewalt hin. Im kirchlichen Kontext, so die durchaus politische Aussage des Mosaiks, schreitet der Bischof voran.