Folgen der Hexenprozesse

Die Konsequenzen der Hexenprozesse waren mannigfaltig, sowohl für die Angeklagten und ihrer Familie, aber auch für das Dorf bzw. die Gemeinde.

In ganz seltenen Fällen wurde eine angeklagte Person von der Hexerei freigesprochen und das Verfahren annulliert. Die im Verfahren angewandte Folter als Teil der Befragungen führte zu meist bleibenden physischen Verletzungen, ganz zu Schweigen von den seelischen Belastungen.

Meistens endeten die Verfahren aber mit einem Schuldspruch, und dies bedeutete gleichzeitig das Todesurteil für die Angeklagte. Für die Familie gingen die Probleme aber weiter, da sog. Hexenjäger sich davon überzeugen mussten, dass keine weiteren Hexen oder Besessene in der Familie waren oder durch diese versteckt wurden. Auch mussten sie die Kosten des Verfahren tragen, so z.B. auch das Holz für den Scheiterhaufen, bezahlen.

Der Nachlas ging an die Inquisition, deren Gewinn dadurch so beachtlich war, dass sie sich durch diese ‘Einnahmen’ selbst finanzierte. Finanziell profitierte auch die Kirche von den Hexenprozessen, da sie während dieser öffentlichen ‘Veranstaltungen’ Ablassbriefe an das Volk verkaufte, welche den Bürgern es ermöglichen sollte, sich vom Fegefeuer ‘freizukaufen’.

Ebenfalls profitierten fahrende Händler und ortsansässige Geschäftsleute von den Prozessen, deren Umsätze sich vervielfachten.

Geschickt konnte die Kirche sich durch die Prozesse von Andersgläubigen, Widersachern und Ketzern befreien, denn der Hexerei angeklagt zu werden bedurfte es nur der Denunziation. Das Vermögen konnte einbehalten werden und der Widersacher war elegant aus dem Weg geräumt.

Dies machte sich nicht nur die Kirche zunutze, auch der einfache Bürger konnte so unliebsame und wehrlose Verwandte oder Nachbarn denunzieren und damit beseitigen. Wie Gemeinden nutzlose Mitglieder loswerden konnte, verdeutlicht folgender Spruch:

"Wenn eine Frau anfängt senil zu werden und der Gemeinde zur Last fällt, wird sie meistens zur Hexe gemacht". (Addison 1711)

Aber nicht nur einzelne Gemeindemitglieder, sondern ganze Gemeinden wurden so in der Hochphase der Hexenverfolgung ausgelöscht.

Ab 1630/50 wurde der Hexereivorwurf auch dazu verwendet, persönliche Feindschaften und Machtkämpfe in Städten und Territorien auszutragen.

Als letztes Beispiel sei auf die bevölkerungspolitische Funktion der Hexenverfolgung hingewiesen. Der Bedarf an Arbeitskräften gewann zunehmend an Bedeutung durch neue Wirtschaftsformen und führte dazu, Verhütung und Abtreibung unter strengste Strafen zu stellen, um die Geburtenrate zu erhöhen. Dies führte zur systematischen Ausrottung und Verfolgung von Hebammen und ihren Töchtern und Nichten bis ins dritte oder vierte Glied, um so auch die mündliche Überlieferung von Verhütungs- und Abtreibungswissen zu verhindern.

 

 

Ketzer

(griechisch: katharos - rein)

Als ketzerisch bezeichnet man Gruppierungen, die sich durch ihre Gesinnung entweder deutlich von der Kirche absonderten oder auf Grund ihrer vom christlichen Glauben abweichenden Lehren von den kirchlichen Autoritäten nicht akzeptiert wurden. Die Glaubenseinstellungen von ketzerischen Verbindungen war von dem Drang nach Perfektionismus und von Idealismus geprägt. Bezeichnend war auch die Liebe zur Armut. So stellten sie vorherrschende religiöse und gesellschaftliche Vorstellungen in Frage. Ihre daraus entstandenen Reformforderungen waren tiefgreifend und richteten sich gegen sämtliche kirchliche und stattliche Autoritäten. Die ersten Ketzerbewegungen gab es bereits zwischen dem 3. und 5. Jahrhundert; ihre Blütezeit fanden sie jedoch im Hochmittelalter (14. - 15. Jahrhundert). Während die meisten ketzerischen Gruppierungen (vor allem Katharer, Waldenser etc.) verfolgt wurden, fanden daraus entstandene Bettlerorden (Franziskaner, Dominikaner) kirchliche Anerkennung.

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