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Julirevolution 1830
Historischer Kontext
Nach der
Restaurierung der Monarchie in Frankreich 1815 bildete sich zunächst
gegen die reaktionäre Politik Ludwigs XVIII und dann - ab 1824 - gegen
die Karls X eine wachsende Opposition. Sie richtete sich gegen die
Bevorzugung von Adel und Klerus:
Diese erhielten beispielsweise Entschädigungen für ihren Besitz, den der
Staat während der Französischen Revolution beschlagnahmt hatte. Die
Jesuiten, die während der Revolution aus dem Land vertrieben worden
waren, wurden wieder zugelassen, und die Schulaufsicht wurde erneut der
Kirche übertragen. Außerdem ergriff Karl X strenge Maßnahmen gegen die
Pressefreiheit.
Ihren stärksten Ausdruck fand die Opposition im Wahljahr 1830: Im März
forderte die Deputiertenkammer die Entlassung mehrerer Minister des
Königs. Karl X reagierte mit den "Ordonnanzen" (25. Juli), durch
die die Deputiertenkammer aufgelöst, die Pressefreiheit aufgehoben und
das Wahlgesetz verändert wurde. Die Empörung des Volkes über diesen
Verfassungsbruch entlud sich in dem dreitägigen Barrikadenkampf der
"Trois Glorieuses" vom 26 - 28. Juli 1830. Die Regierung wurde
gestürzt, Karl X floh nach England, das Militär wurde zum Rückzug aus
Paris gezwungen. Die Zeitgenossen werteten den Aufstand als ein Anknüpfen
an die Revolution von 1789 - wie z.B. das Bild "La
liberté guidant le peuple" von Delacroix
nahelegt: Politisch endete die Julirevolution mit dem
Sieg der liberalen Verfechter einer konstitutionellen über die Anhänger
der absoluten Monarchie. Zum neuen König wurde Louis Philippe von
Orléans gewählt, aus einer Nebenlinie des bisher regierenden Hauses
Bourbon. Als "Bürgerkönig" akzeptierte er das Prinzip der
Volkssouveränität und veränderte die Verfassung im konstitutionellen
Sinne: Die Kammern erhielten das Recht der Gesetzesinitiative und der
Ministerkontrolle. Der Wahlzensus wurde soweit gesenkt, dass sich die Zahl
der Wähler verdoppelte. Dennoch blieb noch immer die große Mehrheit der
Bevölkerung vom Wahlrecht ausgeschlossen. Der eigentliche Gewinner der
Julirevolution war die Großbourgeoisie. Nach dem Prinzip: "Enrichissez-vous"
- "Werdet reich" - eröffnete Louis Philippe ihr große
wirtschaftliche Möglichkeiten. Die Verbindung von wirtschaftlicher Macht
und politischem Einfluss in der Hand der Bourgeoisie rief ihrerseits die
Kritik der Arbeiter hervor und führte im Februar 1848 erneut zur
Revolution.
Die Julirevolution in Frankreich hatte Signalwirkung für die
demokratische Bewegung in Europa, vor allem in Belgien, Deutschland,
Italien und Polen.
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