Die Freiheit führt das Volk

So nannte Eugène Delacroix sein bereits zu Lebzeiten berühmt gewordenes Revolutionsgemälde, das 1830 entstand.
Das 2,60 Meter hohe und 3,25 Meter breite Gemälde bezieht sich auf die drei Tage der Julirevolution ("les Trois Glorieuses" des 27, 28, 29. Juli 1830), die den Maler zutiefst erschüttert hatten.
Die bildliche Darstellung des Kampfes um Menschen- und Bürgerrechte hat Delacroix als Allegorie der Freiheit gestaltet. Als Marianne führt diese in der Art einer jakobinischen Jeanne d’Arc das Volk zum Sieg. Sie schwingt Fahne und Gewehr und stürmt über eine Barrikade, in ihrem Gefolge fünf bewaffnete Personen.
Seit der Französischen Revolution ist “Marianne“ die Symbolgestalt der Freiheit und Personifikation der Französischen Republik, zumeist dargestellt mit einer Jakobinermütze.
Im Vordergrund drei Leichen: rechts ein Infanterist des schweizerischen Regiments der Königlichen Garde, blaugrauer Soldatenmantel, scharlachrotes Ornament am Kragen, weiße Gamaschen und Halbschuhe. Sein Tschako ist ihm vom Kopf gefallen. Daneben ein Kürassier der Königlichen Garde. mit Harnisch, weißen Epauletten, hellen Lederhandschuhen. Links ein toter Kämpfer, dem jemand die Hose gestohlen hat.
Zwei Kinder: Der Junge links trägt die Mütze eines Infanteristen der Nationalgarde, also der Miliz, die Karl X. aufgelöst hatte. Seine Waffen: ein einfaches Florett und ein Pflasterstein.
Der Junge rechts schwingt mit Geschrei zwei Kavalleriepistolen. Er trägt eine Patronentasche der Königlichen Garde und das schwarzsamtene Barett der Studenten (siehe Ausschnitt links).
Links im Bild drei Männer: Der erste trägt eine große Tellermütze, die Arbeitsschürze des Handwerkers und ein Säbelgehänge, das er einem Infanteristen abgenommen hat. Er schwingt den Säbel der Elite-Infanterie, Bauart 1816. In seinem Gürtel steckt eine Pistole, an seiner Mütze die Cocarde der Anhänger von Louis-Philippe. Der zweite Mann hält ein doppelläufiges Gewehr, also eine Jagdwaffe, und trägt einen Zylinder. Entgegen seinem Erscheinungsbild gehört er nicht der Großbourgeoisie an. Die weite Hose und der rote Gürtel kennzeichnen ihn als Werkstattinhaber oder als Gesellen (siehe Ausschnitte). Der dritte Mann ist verwundet. Sein Blut läuft über das Pflaster; er stützt sich auf die Hände und sieht zu der Frauengestalt auf. Seine Kleidung ist die eines Bauern, der nach Paris gekommen ist.

Die Freiheit
, die einzige Frau auf dem Gemälde, trägt einen weiten beigefarbenen Rock, der in der Taille durch einen zweimal geschlungenen flatternden Gürtel gehalten wird und eine weiße Bluse, die zerrissen oder heruntergerutscht ist. In ihrer linken Hand hält sie ein Gewehr mit aufgepflanztem Bajonett. Ihre rechte Hand schwingt die Trikolore. Die Flagge, die ihren Ursprung in der Französischen Revolution hat, verbindet die zwei Farben von Paris, blau und rot, mit dem weiß der alten Monarchie und galt in der ganzen Welt als Symbol der Freiheit. Im Verlauf der drei ruhmreichen Tage kommt ihr ein hoher Stellenwert zu. Das Gesicht in Profilansicht, wendet die Liberté den Kopf leicht zurück. Sie trägt die rote Jakobinermütze, die - in Nachahmung der antiken Phrygenmütze für freigelassene Sklaven - seit 1792 zum politischen Freiheitssymbol wurde.

Die niedrige Barrikade besteht aus Holzbohlen und dicken Pflastersteinen, die aus der Straße gerissen wurden.
Im Hintergrund ist eine mit unterschiedlichen Waffen ausgestattete Personengruppe zu erkennen.
In der Ferne vor dem Gebäude rechts hat sich eine Abteilung der Königlichen Garde aufgebaut. Mehrere Soldaten schießen.
Darüber die Türme von Notre-Dame de Paris (siehe Ausschnitt). Auf den Türmen ist eine Fahne aufgepflanzt.
Delacroix hat die Kathedrale dem Rathaus vorgezogen. Sie drückt die besondere Nähe zum Volk aus, ist Symbol der Geschichte Frankreichs.