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Lehrbuch: Latinum, V & R S. 102
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Das Bildprogramm
des Panzerreliefs auf der Augustusstatue von Primaporta
der historische Hintergrund der Szene im Zentrum:
Rückgabe der Feldzeichen, die der
Feldherr Crassus im Jahre 53 v. Chr. nach
einer Niederlage an die Parther verloren
hatte und die im Jahre 20 v. Chr. kampflos wieder
an die Römer zurückgegeben wurden, eine
Episode, die von Augustus als
großer politischer Erfolg und als Zeichen seiner
Macht und des römischen Ansehens dargestellt
wurde.
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Die Szenerie:
Der linke der beiden Männer in der
Mittelszene ist ein römischer Feldherr mit
Panzer, Feldherrnmantel, Helm, Stiefeln,
Schwert. Er wird auch als der römische
Schutzgott Mars mit Wolfshund gedeutet.
Ein "Barbar" mit krausem Haar,
Bart, langen Hosen, und kurzem Leibrock
übergibt ihm ein römisches Feldzeichen
mit einem Legionsadler und drei Rundbildern
(Phalerae). Der Blick des Parthers ist nach oben
zum Adler gerichtet. Dessen Position ist genau in
der Mitte des Panzers, an der Herzgrube des
Augustus und zugleich in der Achse zwischen
Himmelsgott Caelus, der das Himmelsgewölbe wie
ein Segel über sich ausspannt und der unten
liegenden Frauengestalt, die mit Füllhorn, Ähre
und Kranz, Mohnkapsel und zwei Kindern an ihrer
Brust die Erdmutter (Tellus) darstellt, die
Fruchtbarkeit und Lebensfülle des goldenen
Zeitalters verkörpert. Die Einrahmung
zwischen Himmel und Erde gibt der Mittelszene
eine eine universale, kosmische Bedeutung. Diese
wird unterstrichen durch den Sonnengott
Sol, der links unter Caelus im Sonnenwagen
vier Pferde antreibt, und dem auf der rechten
Seite des Firmaments die Gottheiten Luna und
Aurora korrespondieren, die mit Fackel und dem
Krug des Morgentaus den Aufgang der Sonne
über dem neuen goldenen Zeitalter ankündigen.
Die beiden göttlichen Geschwister über der
Gestalt der Erde, Apollo mit der Leier und
Diana, Göttin der Jagd, beide besondere
Schutzgötter des Augustus, unterstreichen den
mythologischen Rahmen, in den das irdische
Geschehen auf der mittleren Ebene gestellt wird.
Zu beiden Seiten der zentralen
Feldzeichenübergabe sind Frauengestalten in
trauernder, gebeugter Haltung dargestellt,
Verkörperungen der unterworfenen bzw. botmäßig
gemachten Völker im Westen und Osten, die sich
dem römischen Herrschaftsanspruch zu beugen
haben und dadurch an dem beginnenden goldenen
Zeitalter teilhaben. Bewacht wird dieser
befriedete Kosmos durch die beiden Sphingen auf
den Schulterklappen. Augustus, Träger des
Panzers und selbst von göttlicher Herkunft , ist
Garant des Götterwillens und dieser neuen
Friedensepoche, des saeculum aureum, der Pax
Augusta. |
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