Ovids Metamorphosen:
Grundgedanke:
"omnia mutantur, nihil interit..."
liber quintus decimus:
XV, 165
" alles wandelt sich, nichts geht unter"
so lautet der Satz, den Ovid dem Pythagoras im letzten Buch (XV) der
'Metamorphosen' in den Mund legt, - Sinndeutung der insgesamt 250
in Hexametern geschriebenen Verwandlungsgeschichten eines "perpetuum
carmen".
Pythagoras:
" ... nihil est toto, quod perstet, in orbe. 177
cuncta fluunt, omnisque vagans formatur imago.
ipsa quoque adsiduo labuntur tempora motu,
non secus ac flumen. neque enim consistere flumen
nec levis hora potest, sed ut unda inpellitur unda
urgeturque eadem veniens urgetque priorem,
tempora sic fugiunt pariter pariterque sequuntur
et nova sunt semper; nam quod fuit ante, relictum est,
fitque, quod haud fuerat, momentaque cuncta novantur".
185
- Es gibt im ganzen Weltkreis nichts
Beständiges 177
Alles ist im Fluss, und jedes Bild wird gestaltet,
während es vorübergeht. Ja, auch die Zeiten gleiten in
ständiger Bewegung dahin, nicht anders als ein Strom 180
Denn stillstehen kann weder der Fluss noch die
flüchtige
Stunde, sondern wie die Woge von der Woge getrieben
wird und im Herankommen zugleich gedrängt wird
und die Vorgängerin verdrängt, so fliehen die Zeiten
und folgen zugleich. Stets sind sie neu; denn was
vorher
gewesen ist, das ist vorüber; es wird, was nicht
war 185
und jeder Augenblick entsteht neu. -

Picasso: Tod des Orpheus
Das Gleiche gelte für die gesamte Natur:
"nec species sua cuique manet rerum novatrix 252
ex aliis alias reparat natura figuras,
nec perit in toto quicquam, mihi credite, mundo,
sed variat faciemque novat nascique vocatur 255
incipere esse aliud, quam quod fuit ante, morique
desinere illud idem. cum sint huc forsitan illa,
haec translata illuc, summa tamen omnia constant." 258
- Kein Ding behält seine eigene Erscheinung,
und die ewig
schöpferische Natur lässt eine neue Gestalt aus der andern
hervorgehen, und - glaubt mir - in der ganzen Welt geht nichts
zugrunde, sondern es wandelt sich und erneuert sein
Gesicht. 255
'Geboren werden' heißt 'beginnen, etwas anderes zu
sein als
vorher', und 'sterben' heißt 'aufhören, dasselbe zu sein'.
Und während vielleicht das eine hierhin, das andere dorthin übertragen wird, bleibt doch insgesamt alles bestehen.
258 -
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