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                                        Narziss 
                       
Liber tertius: III, 339 - 510 

                          "Heu frustra dilecte puer!"
                                        
( III, 500 ) 
                          - Ach, vergeblich geliebter Knabe!-

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                                   Narziss, Fresko, Pompeji

Der weise Seher Tiresias antwortete einst auf die bange Frage einer schönen Nymphe, ob ihrem Knaben Narcissus ein langes, gutes Leben beschieden sei: 
"si se non noverit" (348) - wenn er sich nicht selbst kennen lernt. Ovid kündigt bereits zu Anfang der Geschichte an, dass "Ausgang, Todesart und die Neuheit seines Wahnsinns" (350) die Bestätigung der geheimnisvollen Prophezeiung bringen werden. Viele Mädchen und Männer begehren den schönen Jüngling, er aber weist sie alle in hartherzigem Hochmut ab:
"sed fuit in tenera tam dura superbia forma" - 354.
Die geschwätzige Nymphe Echo etwa zieht sich aus Gram über die Zurückweisung in die Wälder zurück und  wird in ein bloßes Schall- und Klangwesen verwandelt.
Die Rachegöttin erhört schließlich die Verwünschung eines verschmähten Liebhabers: Narziss soll das, was er liebt, nicht bekommen: 
"sic amet ipse licet, sic non potiatur amato" - 405. 
Beim Jagen entdeckt Narziss eine klare, unberührte Quelle, und als er seinen Durst stillen will, wächst in ihm ein anderer Durst: 
"dumque sitim sedare
cupit, sitis altera crevit" - 415.
Im Wasser erblickt er eine bezaubernde Gestalt und  fühlt sich von ihrer Schönheit angezogen; nichts ahnend begehrt er sich selbst, wirbt und wird umworben, entzündet Liebesglut und wird zugleich von ihr verzehrt:
"dumque petit, petitur pariterque accendit et ardet"- 426.
Er lächelt das Spiegelbild an, es lächelt zurück, er will es küssen und umarmen - vergeblich, mit "unersättlichem Blick schaut er die trügerische Schönheit an und geht an seinen eigenen Augen zugrunde" (440). Schließlich muss er erkennen: Ich bin es selbst ... ich glühe in unerfüllbarer Liebe zu mir:
 "iste ego sum! sensi; nec me mea fallit imago: 
 uror amore mei, flammas moveoque feroque" - 463-464.
Unfähig, sich von seinem eigenen Bild zu lösen, verzehrt er sich und schwindet dahin - verwandelt in eine Blume.
Seine Abschiedsworte : 
"Heu frustra dilecte puer! ..." -500.
Ach, vergeblich geliebter Knabe ... lebe wohl!,
und von der Nymphe Echo schallt es zurück : "Vale" (501).

Wir fragen:
Quid ad nos?

Narziss
- der Selbstverliebte