Narziss ist von den Göttern reich beschenkt: er ist
jung, schön, beliebt und begehrt. Seine Tragik: er kann diese Geschenke
nicht erwidern, kann nicht aus sich heraus gehen und bleibt zwanghaft in
sich selbst gefangen. Die Chance der Selbstfindung, seine
Selbstgenügsamkeit zu überwinden, wird ihm an der Quelle gegeben; doch
er bringt den Mut zur Veränderung nicht auf. Sein
selbstquälerischer Monolog endet schließlich in Todessehnsucht:
"quid faciam? roger anne rogem? quid deinde rogabo?" - 465
"Was
tun? Bitten oder mich bitten lassen? Worum soll ich denn bitten?(465) Was ich begehre, ist bei mir . Der
Reichtum hat mich arm gemacht. Könnte ich mich doch von meinem Körper
lösen.... der Tod ist mir keine Last; denn der Tod wird mir die Schmerzen
nehmen. Nur wünschte ich, der Geliebte lebte länger! Jetzt werden wir
zu zweit als ein Herz und eine Seele sterben" (III, 466 - 473).
Diese Unfähigkeit, sich zu ändern und sich in ein menschliches, soziales Wesen zu
verwandeln, wird von den Göttern spielerisch, aber in
folgerichtiger Konsequenz geahndet: mit der Metamorphose in eine
bescheidene, genügsame, aber schöne Blume.
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