Daedalus und Ikarus
liber octavus : VIII, 183-235
Daedalus, ein Künstler aus Athen, der wegen eines
Verbrechens nach Kreta geflohen war und dort das Labyrinth für
König Minos gebaut hatte, wollte in die Heimat zurückkehren. Minos
jedoch erlaubte ihm die Heimfahrt nicht.
"... 'terras licet' inquit 'et undas
obstruat, at caelum certe patet; ibimus illac!
omnia possideat, non possidet aëra Minos' " -185 - 187.
"Mag Minos auch Land
und Wasser versperren, steht uns doch der Himmel offen. Wir werden diesen
Weg gehen. Mag er auch alles besitzen, die Luft besitzt Minos nicht"(185
- 187),
sagte Daedalus zu seinem kleinen Sohn Ikarus und fertigte mit viel
Erfindungsgeist und Geschick Flügel für sich und seinen Sohn. Beide
konnten durch die Lüfte entkommen. Staunend erblickten ein Fischer und
ein Schäfer die Fliegenden und hielten sie für Götter. Trotz der
Warnungen des Vaters flog Ikarus aber immer höher - der Sonne entgegen.
In der Hitze schmolz das Wachs, das die Federn hielt, Ikarus stürzte ins
Meer. Daedalus aber verfluchte seine Künste und begrub den Sohn auf der
Insel, die nach ihm Ikaria heißt.

Staunend erblicken Fischer und Schäfer die Fliegenden und halten sie
für Götter.
(Saraceni, ca. 1600 ) Ovid. Met. VIII, 217-219
Wir fragen: Quid ad nos?
Daedalus und Ikarus: der Traum vom
Fliegen